Die Legende von der Entstehung der chemischen Reinigung

Es war einmal, im Jahre 1825 in Paris, dort lebte und arbeitete der Färbermeister Jolly Belin. Meister Belin hatte einen Lehrling namens Jean-Paul; leider war Jean-Paul sehr ungeschickt, welches ihn bereits seine erste Lehrstelle gekostet hatte. Aber der alte Belin hatte Mitleid mit ihm und stellet ihn ein.

Eines Tages war Jean-Paul mal wieder besonders ungeschickt und stieß eine Terpentinöllampe um. Das Terpentinöl ergoss sich über einen Uniformrock, welchen Jean-Paul färben sollte. Meister Belin tobte vor Wut, als er das Missgeschickseines Lehrlings entdeckte. Die teure Uniform, sie zu ersetzen würde ihn 6 Monatseinkommen kosten! Doch so besonnen wie Meister Belin nun einmal war, began er mit größter Vorsicht das Terpentinöl abzutupfen und hängte den Uniformrock in die Sonne zum trocknen.

Als er am Abend nachsah, ob er das Unglück hatte abwenden können traue er seinen Augen nicht. An den Stellen, wo die Uniform mit dem Terpentinöl in Berührung gekommen war, war sie sauber geworden! Diese Entdeckung brachte Belin auf eine Idee. Er legte den ganzen Uniformrock in Terpentinöl und hängte ihn über Nacht zum trocknen auf. Am nächsten Tag sah er sich das Ergebnis am und war verblüfft. Der ganze Uniformrock war sauber geworden, normalerweise konnte er nur einzelne Flecken behandeln und selbst dies gelang nur selten, sodass er meist die ganzen Kleidungsstücke neu Einfärben musste. Das Terpentinöl würde in Zukunft seine Arbeit deutlich leichter und besser machen!

Mit diesem Wissen betrieb der Färbermeister Jolly Belin ab dem Jahre 1825 die erste chemische Reinigung.

 

 

Textilpflege gestern und heute

Reinigungsverfahren und Lösungsmittel in der Textilreinigung

Römerzeit:                                                                                                                           

Ihren Ursprung hat die Textilpflege in der Römerzeit und ist somit eines der ältesten bekannten Handwerke. In dieser Zeit wurden Kleidungsstücke wie Toga und Tunika in großen Waschtrögen mit Seife gesäubert. Den Römern war bereits bekannt, dass duch mechanische Bewegung in Seifenlauge Schmutz entfernt werden kann. Die Bewegung wurde entweder durch reiben von Hand oder durch stampfen mit den Füßen erreicht. Die damals verwendete Seife bestannt zum größten Teil aus Pottasche. Die bis heute erhaltene Waschanlage aus der Zeit um Christi Geburt wurde "fullonica stephani" genannt und bei Ausgrabungen in Pompeji gefunden.

17. Jahrhundert:
Im Zeitalter des Absolutismus wurde die Tätigkeit  der Datachur entwickelt. Dabei handelt es sich um lokale Fleckentfernung, da  kostbaren Seidenstoffe in Mode kamen, welche einliefen, wenn sie vollständig mit Wasser in Berührung kamen.

18. Jahrhundert:
Das Handwerk der Färber und Entfetter wurde immer populärer. Sie zogen durch die Lande und versuchten Flecken aus nicht waschbaren Kleidungsstücken zu entfernen. Geland dieses nicht wurden die Kleidungsstücke einfach neu eingefärbt.

19. Jahrhundert:
Das Textilpflegehandwerk begann sich in "Wäscher und Plätter" sowie in "Färber und Chemischreiniger" aufzuspalten. Wäscher säuberten die Kleidung nur mit Wasser und Seife. Das Schrubben von Hand wurde nun nach und nach von Waschmaschinen ersetzt.
Färber hingegen bedienten sich neuen Lösungsmitteln, welche zum Teil durch Zufall entdeckt wurden wie z.B. in der Legende erklärt wird. Anfangs wurden nicht  waschbare Kleidungsstücke mit Terpentinöl gereinigt, später mit Benzol und schließlich mit Leichtbenzin. Allerdings hatten alle Mittel einen Nachteil, sie waren brennbar. Durch statische Aufladung der Reinigungstrommel kam es immer wider zu Explosionen. Daraufhin wurde in Frankreich das Gesetz erlassen, dass sich Chemischreiniger nur am Stadtrand niederlassen durften.

1923:
Mit der Einführung des nicht brennbaren Tetrachloreten (Perchlorethylen) wurde die chemische Reinigung revolutioniert. Seine hohe Fettlösekraft macht es bis zum heutigen Tag zum idealen und weit verbreiteten Lösungsmittel.

1981:
Die beiden Berufe "Wäscher und Plätter" sowie "Färber und Chemischreiniger" werden zum anerkannten Handwerksberuf des "Textilreinigers" zusammengefasst.

Mitte der 80er Jahre:
Das traditionsreiche Handwerk der Textilreiniger kommt zunehmend in die Schlagzeilen, da das Perchlorethylen in den Verdacht geriet krebserregend zu sein. Der Branche setze ausserdem der Ruf der Umweltverschmutzung zu.

1993:
Neue, strenge Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltauflagen zwingen zum Handeln! So wurden durch technische Neuheiten z.B. der Per- Verlust in den Reinigungsanlagen auf 0,2 % reduziert und damit der Perverbrauch insgesamt drastisch reduzierte. Dies wurde durch Recycling möglich, indem das Per in der Reinigungsanlage desilliert wird und somit mehrmals verwendet werden kann. Allerdings waren für diese neue Technologie neue Maschienen und aufwendige Anluftanlagen notwendig, sodass hohe Investitionskosten entstanden. Dies bewirkte, dass viele Reinigungsbetriebe ihren Beruf an den Nagel hängen mussten.

Heute:
Heute sind moderne Permaschienen  geschlossene Systeme. Sie sind mit Messcomputern ausgestattet, die bewirken, dass sich die Reinigungstrommel erst öffnen lässt, wenn das Lösemittel vollständig aus den gereinigten Kleidungsstücken verdampft ist. Weder Kunden noch Mitarbeiter von Textilreinigungen kommen heute noch mit dem Lösemittel Per in direkten Kontakt. Dafür sorgen auch spezielle Lüfftungssanlagen, geschlossene Kreisläufe vom einfüllen des Lösungsmittels bis zur fachgerechten Entsorgung, sowie die Überwachung der Raumluft mittels Computer.

 

Perchlorethylen (Per)
  • Verbreitung in Deutschland: ca. 70% aller Textilreinigungen
  • Verwendung seit vielen Jahrzehnten
  • Weltweit größte Verbreitung als Lösemittel in Textilreinigungen
  • Optimal für fetthaltige und wachsartige Verschmutzungen
  • Geeignet für die Pflege aller Textilien, v. a. aber von Naturfasern (Wolle, Seide, Leinen), da keine Faserquellung auftritt und somit keine Schädigungen wie Maßveränderungen oder Farbverluste zu befürchten sind
  • Strenge Umweltauflagen
  • Große Erfahrung und umfangreiches technologisches Know-how im Umgang mit Lösemittel
  • Geschlossene Reinigungssysteme
  • Wiederverwendung des recycelten Lösemittels (auch aus den wiederaufbereiteten Schmutzrückständen)
Kohlenwasserstoff-Lösemittel (KWL)
  • Verbreitung in Deutschland: ca. 30% aller Textilreinigungen
  • Verwendung seit 1993 als Ersatz für FCKW
  • Optimal für fetthaltige Verschmutzungen
  • Besonders geeignet für empfindliche und feine Textilien sowie für Drucke, Färbungen und nicht-textile Bestandteile, die in anderen Lösemitteln nicht beständig sind
  • Offene Handhabung zur Vor-/Nachdetachur erlaubt, da wenig flüchtig
  • Üblicherweise geschlossenen Reinigungssysteme
Komprimiertes CO2
  • Verbreitung in Deutschland: wenige Anbieter im Markt
  • Schmutzlöser = bei ca. 60 bar Druck verflüssigtes Kohlendioxid
  • Ausschließlich geeignet für fetthaltige Verschmutzungen
  • In Kombination mit Nassreinigungstechnologie auch für die Entfernung wassergebundener Flecken 
    geeignet
  • Insgesamt geringere Reinigungswirkung als 
    herkömmliche Lösemittel
  • Probleme im Hinblick auf die Beständigkeit von 
    nicht-textilen Kunststoffbestandteilen bei zu schneller Druckreduzierung nach dem Reinigen
  • teure und schwere Reinigungsmaschinen
  • ökologische Vorteile (keine spezielle Herstellung des Lösemittels notwendig, keine zusätzliche Belastung der Atmosphäre durch Emissionen, geringerer Energieaufwand bei Trocknung und Schmutzdestillation)
Nassreinigung
  • Schmutzlöser = Wasser
  • Optimal für großflächige, wassergebundene 
    Verschmutzungen
  • Geeignet für waschbare Bekleidung und Textilien, die mit dem Nassreinigungssymbol gekennzeichnet sind; u. U. auch für nicht waschbare Textilien
  • Ideal für großvolumige Textilien (Kissen, Decken, Vorhänge, Tischdecken etc.)
  • Textilschonendes Verfahren (große Trommel, geringere mechanische Bewegung, individuelle Waschprogramme)
  • Umweltfreundliches Verfahren (biologisch abbaubare, alkalifreie Tenside, keine optischen Aufheller und Bleichmittel, geringerer Wasserverbrauch als bei der Haushaltswäsche)
  • Auszeichnung mit dem Umwelt-Siegel „Blauer Engel“ möglich, sofern bestimmte Anforderungen erfüllt werden (Vor- und Nachdetachur mit umweltfreundlichen KWL und halogenfreien Lösemitteln möglich)